Samstag, 08.05.2021 19:11 Uhr

Moto Guzzi 850 T5

Verantwortlicher Autor: Heinz-Willy Keusgen Nidda, 06.01.2021, 14:29 Uhr
Presse-Ressort von: hwk Bericht 5815x gelesen
T5 lackierte Embleme
T5 lackierte Embleme  Bild: Henz-Willy Keusgen

Nidda [ENA] Sie sei nicht mehr die Jüngste, die Maschine ist ihr zu schwer und unhandlich und das Starten über die alten Unterbrecher-Kontakte sei das reinste Glücksspiel. So oder so ähnlich waren die Worte meiner besseren Hälfte, die zur Stilllegung ihrer „Moto Guzzi 850 T5“ führten.

Sie hatte sich auf eine YAMAHA MT09 eingeschossen. „Die ist nur halb so schwer wie die T5 hat aber fast doppelt so viele PS, verschiedene Fahrmodi und ABS.“ Argumente, die ich nicht einfach beiseite wischen konnte. Denn auf der Dortmunder-Motorradmesse 2014 wurde genau dieses Yamaha-Modell auf der MOTORRAD-Bühne vom Fachjournalisten über alle Himmel gelobt. „ Wer zwei linke Hände hat, außer Motorradfahren und tanken sich ansonsten nicht weiter mit der Maschine beschäftigen möchte, also kein geborener Schrauber ist, liegt mit der MT09 genau richtig.“ Die Komplett-Zerlegung nach einer gewissen Kilometerzahl,welche MOTORRAD jedem Model unterzieht, brachte es zu Tage.

Top Model

Die Komplett-Zerlegung nach einer gewissen Kilometerzahl,welche MOTORRAD jedem Model unterzieht, brachte es zu Tage. Es wurde NICHTS gefunden, es war NICHTS zu bemängeln, keine erkennbaren Abnutzungen, alle Schrauben fest. Top Modell, Top Produktionsfertigung –YAMAHA eben. So stand dann auch gleich, wen wunderst, eine MT09 auf unserem Hof. „Was für eine schöne Maschine!“ Aber schon während einer 16 tägigen Gruppenfahrt nach Dubrovnik und zurück konnten alle sehen, dass diese Maschine der Fahrerin große Schmerzen im Steiß und Lendenwirbelbereich verursachte. Lange Rede, kurzer Sinn. Verschiedene Sport-, Gel- und Touringsitzbänke kamen zum Einsatz – ohne Erfolg.

Launische Diva

Eine lenkerfeste Scheibe brachte der Fahrerin lediglich eine leichte Linderung im Schulter/Nackenbereich. Wegen eines nicht vorhandenen Gepäcksystems entwickelte SW-Motech für diese Maschine extra ein spezielles Trägersystem. Beim Urlaub in den französischen Seealpen gebährdete sich diese Maschine wie eine nervöse Diva. Unsere Guzzis bollerten im 2. Gang durch die Spitzkehren, die MT09 musste bei Laune gehalten werden und das heißt schalten, schalten, schalten egal ob im Regen-, Sport- oder sonstwer Modus. Thema Laune, eine MT09 ist schneller unterwegs als wir normalerweise auf unseren Bikes. Es macht MT09-Fahrern offensichtlich keinen Spaß, mit dieser Maschine hinter den „lahmen“ Guzzis her zu fahren.

Richtige Entscheidung

Es hat lange gedauert aber der Entschluß meiner Frau, ihre T5 wieder auf die Straße zu bringen, war die richtige Entscheidung. „Schlecht habe ich eigentlich nie auf ihr gesessen und die Vollverkleidung hat ja schon was gebracht“. Was lange zurück liegt wird gerne auch wieder schön geredet. Aber Heck und Front gefallen ihr nicht und soll geändert werden, Rund- statt eckigem Scheinwerfer. Schmaleres Heck, elektronische Zündung statt die alten Unterbrecherkontakte, LED Licht für Blinker und Rücklicht, Farbe Raceing green mit schwarzen Streifen auch die Felgen. Ok, sagte ich mir im Januar 2020 , dann fang ich halt mal an.

Rückbau

Die oben auf der Scheune abgedeckt stehende T5 wurde zwar schnell abgedeckt, bewegen konnte ich sie aber noch nicht, denn beide Reifen waren nach sechs Jahren Standzeit natürlich platt.( Foto1) Für dieses Problem habe ich einen Kompressor mit langem Schlauch. Mit frischer Luft in den Reifen konnte ich sie nun aus der Ecke heraus rangieren und an einem freien Platz in der Scheune zum Schrauben vorbereiten. Am Ende des zweiten Tages war die T5 um etliche Kilo leichter. (Foto2) Koffer, Kofferträger, Vollverkleidung samt Träger, Scheinwerfer und Amaturen, alles wurde nun auf Regale eingelagert.

Aufbau

Per Aufzug kam die T5 wieder nach unten auf den Hof und wohl erstmals nach 6 Jahren wieder mit Wasser, Shampoo und Bürste in Kontakt. (Foto3) Meine Arbeit war getan, nun war unser Kumpel Harry an der Reihe. Per Motorradanhänger haben wir die Guzzi bei ihm abgeliefert. In knapp 10 Wochen hat Harry, immer in Kontakt mit uns, eine optisch und technisch quasi andere Maschine auf die Räder gestellt: Gekürzter vorderer Kotflügel, neuen Superbike-Lenker, GPS- Multi-Tacho-Instrument, elektronische Zündung, optimiert arbeitende 36ger Vergaser, neue hintere Bremsscheibe und neuen hinteren Kotflügel, Magnet-Seitenständer, LED Seiten und Rück-/Bremslicht, Rahmen, Tank, Kotflügel, Seitenteile und Beschriftung zweifarbig lackiert.

Corona

Nachweislich konnte er die Maschine noch am allerletzten Tag vor der Coronaschließung in der TüV Prüfstelle zur Prüfung vorführen und die begehrten Papiere erhalten.(Foto 4) Die Anmeldung wenige Tage später zu Hause bei der heimischen Zulassungsstelle war „Dank Corona“ nicht mehr möglich, die Stelle im Rathaus hatte einfach zu gemacht. Guter Rat war nun teuer. Die MT09 wurde vom Yamaha-Händler zu einem guten Preis zurück gekauft, jedoch nur der Händler als Gewerbetreibender konnte mit den Anmeldepapieren und Vollmacht in ca. 10 Tagen erreichen, dass meine Frau mit ihrer nun zugelassenen T5 die erste kleine Tour mit mir machen konnte. Der Ärger über den maßlos überteuerten Anmeldevorgang war nach den ersten paar Metern verflogen. (Foto 5)

Alle Guzzis der V7 Baureihe sind neuer und moderner, haben aber keine Schnitte gegen diese über 30 Jahre alte auf 16 Zoll Rädern laufende 68 PS starke T5. Auch ich mußte mir schmerzhaft eingestehen, dass ich mit meiner nur 20 Jahre alten Einspritzer California mit 75 PS und größeren Rädern leider auch nur der zweite Sieger hinter der T5 Fahrerin geworden bin. Neu für mich ist auch die Tatsache, dass nicht meine California, sondern die T5 meiner besseren Hälfte bewundernde Blicke auf sich zieht. Sie sind aber auch wirklich schön – Beide! (Foto 6)

Maschine enthüllt
Wasser, Shampoo und Bürste nach 6 Jahren
letzter Termin nach Schließung
die erste kleine Tour
beide schön
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