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Ercole 500 - Lastenträger Made in Italy

Verantwortlicher Autor: Heinz-Willy Keusgen Nidda, 15.01.2021, 22:25 Uhr
Presse-Ressort von: hwk Bericht 5522x gelesen
Ercole 500 6 Volt zugelassen
Ercole 500 6 Volt zugelassen  Bild: Heinz-Willy Keusgen

Nidda [ENA] Vorne Motorrad, hinten Lastwagen, das sind die nicht stillen, aber nützlichen Vertreter einer speziellen italienischen Motorkultur. Moto Guzzi baute diese Lastendreiräder, um mit diesen die Versorgung der Menschen in historischen Altstädte und sogar verwinkelster Bergdörfer zu sichern.

Nach Ende des 2. Weltkriegs begann das Werk am Comersee 1946 mit der Produktion des „Ercole 500“. Dies sollte über Jahrzehnte das Topmodel im Guzzi-Programm werden. „Ercole“, der so von Guzzi getaufte Modellname, wurde eher unfreiwillig weltberühmt. Denn 1954 setzte der große ital. Regisseur Fellini mit seinem Sozialdrama „La Strada“ den italienischen Lastendreirädern ein Denkmal. In diesem Film bereist der Hauptdarsteller Anthony Quinn als großer Zampano mit seiner Gehilfin Gelsominia auf einem italienischen Lastendreirad das Nachkriegs-Sittenbild Italiens und tritt dort als kettensprengender Kraftprotz auf Jahrmärkten auf.

Das Dreirad im Film ist jedoch kein Ercole, sondern ein heruntergekommenes Exemplar des weniger bekannten Herstellers Sertum. Zumindest aber der von Guzzi gewählte Namen Ercole passt zum Weltbild des großen Zampano. Denn „Herkules“ heißt im italienischen „Ercole“ und damit wäre im Grunde schon alles gesagt. Der Karren kann Lasten schleppen und dass sogar bis zu 1,5 Tonen! Für diese Gewichte hat Guzzi hinter dem Fahrersitz eine beeindruckende Kulisse geschaffen. Das Fahrgestell aus kräftigen U-Profilen, mit an der Starrachse aufgehängten Blattfedern und mit Kardanwelle zwischen Getriebe und Differential verdeutlichten kompromisslos, dass Moto Guzzi mit diesem Dreirad ein echtes Arbeitstier im Programm führte.

Die Schaltkulisse rechts neben dem 17 Liter Tank, verfügt über 4 Vorwärts-und einem Rückwärtsgang. Der erste Gang ist, ganz im Sinne einer maximalen Lastentauglichkeit, ultrakurz ausgelegt. Die anfänglich starre Ladefläche, als auch die rein mechanische Bremse wurde in den Folgejahren gegen hydraulische und kippbare Versionen aktualisiert. Mehr Komfort wurde ab 1955 auch durch den Wechsel von 6 Volt auf 12 Volt mit E-Starter erreicht. Der Ercole 500 tat Dienst in der Armee, bei der Feuerwehr mit Drehleiter und in städtischen Diensten u.a. auch zur Müllabfuhr. In der Wirtschaft waren die Lastenräder mit oder ohne Fahrerkabine für das Baugewerbe, in der Forstwirtschaft oder auch als Träger für den allgemeinen Warenverkehr im Einsatz.

Der liegende 500 ccm Einzylindermotor meines Ercole leistet auch nach kapp 70 Jahren immer noch 18 PS bei 4.000/min. Die in dieses Fahrzeug gesteckte Zeit und Arbeit ist von Außenstehenden nicht zu erahnen. Die Lastenkarren wurden von ihren ital. Besitzern im harten Gebrauch zumeist restlos verschlissen. So sind von den vormals ca. 40.000 Exemplaren nur noch sehr wenige Dreiräder soweit wieder hergestellt und aufgebaut, die im bundesdeutschen Straßenverkehr zugelassen sind. Einige wenige Exemplare, die diese diese Hürde nicht schafften, tun Dienst als Werbeträger oder als Exponat in diversen öffentlichen und privaten Motorrad-Sammlungen.

Obwohl als Höchstgeschwindigkeit durchaus 60m/h und mehr erreicht werden kann, pendelt sich automatisch die Reisegeschwindigkeit bei 40-50 km/h ein. Zur Entschleunigung ist diese genau richtig und neben mir wissen dies nur die Fahrer alter Traktoren mit angehängten Schäferwagen und blumengeschmückter Veranda wirklich zu schätzen. Daten meines Ercole abweichend der allgemein gültigen Motor-u. Fahrwerksdaten: Motor: Baujahr 1952, 6 Volt ; Fahrwerk: Baujahr 1966 mit zwei parallel laufenden Hydraulikstempel zum Heben der Ladefläche; Eigenbau-Hilfsrahmen hinter Sattel mit rechts Eigenbau-Notsitz, links Benzinkanister, Außenspiegel und Beleuchtung; GPS-Tacho, seitliche LED Beleuchtung.

Beide Balken der Unterkonstruktion wurden gegen BambooX-Treme getauscht. Die ehemalige Metal-Ladefläche wurde komplett durch Thermo-Esche neu aufgebaut und in Edelstahl Profilen eingepasst. Kotflügel und Gepäckkoffer sind aus Kunststoff. Allein diese Maßnahmen haben mein Ercole um etliche Kilo erleichtert, die er in seinen alten Tagen nicht mehr schleppen muß. Straßenzulassung: November 2019 Preis: UNVERKÄUFLICH

äußert seltene Doppelhydraulik-Stempel
Edelstahl-Einfassungen
Zugelassen
kleine Pause auf meiner kleinen Tour
unverkäuflich
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